Raumduft und Diffusor aus Parfumöl: Ansatz, Dosierung, Recht
Raumduft, Raumspray und Stäbchen-Diffusor mit Parfumöl ansetzen: Lösemittel, Dosierung, IFRA-Kategorien, Kennzeichnung und Sicherheit im Überblick.
Für: Marke und Hersteller
Inhalt (12)
- Drei Bauarten im Vergleich
- Welche Öle sich für Raumduft eignen
- Stäbchen-Diffusor: das Lösemittel entscheidet
- Raumspray: Ethanol, Wasser und Lösungsvermittler
- Elektrische Diffusoren: erst das Gerät lesen
- Sicherheit beim Ansetzen und im Raum
- Kennzeichnung: Raumduft ist kein Kosmetikum
- Prüfen, bevor du verkaufst
- Raumduft als Lohnabfüllung
- Etikett und Gebrauchshinweise
- Kurz zusammengefasst
- Dein nächster Schritt
Raumduft mit Parfumöl herzustellen sieht nach Mischen und Abfüllen aus, doch Stäbchen-Diffusor, Raumspray und elektrischer Diffusor folgen ganz unterschiedlichen Regeln. Das Lösemittel, der Ölanteil, die IFRA-Kategorie und die Kennzeichnung ändern sich mit der Bauart. Dieser Beitrag ordnet die drei gängigen Formen und zeigt, was du vor dem Verkauf wissen musst.
Drei Bauarten im Vergleich
Die Tabelle fasst zusammen, womit du es zu tun hast. Die Kategorien stammen aus der IFRA Guidance zur 51. Amendment; die Ölanteile sind Richtwerte für erste Tests.
| Bauart | Aufbau | Richtwert Ölanteil | IFRA-Kategorie |
|---|---|---|---|
| Stäbchen-Diffusor | Parfumöl in einem Lösemittel, Rattanstäbchen im Flakon | 10 bis 25 % | 10A |
| Pumpspray (manuell) | Parfumöl in Ethanol und Wasser mit Lösungsvermittler | 2 bis 5 % | 10B |
| Elektrischer Diffusor mit Kartusche, Steckdosen-Duft, geschlossenes System | Gerät des Herstellers mit eigener Duftkartusche | Nach Vorgabe des Geräts | 12 |
Welche Öle sich für Raumduft eignen
Raumduft stellt andere Anforderungen als Parfum auf der Haut. Der Duft soll sich ohne die Wärme des Körpers im Raum verteilen und über Tage oder Wochen gleichmäßig bleiben. Leichte, flüchtige Bestandteile füllen den Raum schnell, verfliegen aber auch schnell. Schwere Bestandteile halten länger, steigen im Stäbchen jedoch langsamer auf und können bei hoher Dosierung den Rattan zusetzen. Ein ausgewogenes Öl mit Kopf-, Herz- und Basisanteilen ist deshalb meist stabiler als ein sehr einseitiges. Prüfe zusätzlich, ob Farbe und Klarheit im Lösemittel erhalten bleiben, denn manche Öle färben die Mischung mit der Zeit.
Stäbchen-Diffusor: das Lösemittel entscheidet
Im Stäbchen-Diffusor steigt die Flüssigkeit durch Kapillarkraft im Rattan auf und verdunstet an der Spitze. Das Lösemittel muss deshalb das Öl vollständig lösen und dünnflüssig genug sein. Reines Öl ist meist zu zähflüssig, Wasser mischt sich nicht mit dem Öl. Üblich sind Glykole und Glykolether wie Dipropylenglykol oder Dipropylenglykolmethylether (DPM), teils mit etwas Ethanol. Welche Mischung passt, hängt vom Öl ab; du bestimmst sie im Test.
So gehst du vor:
- Wiege drei Ansätze mit unterschiedlichem Ölanteil ab, zum Beispiel 10, 15 und 20 %.
- Stelle in jeden Probeflakon gleich viele Stäbchen gleicher Länge.
- Wiege die Flakons täglich. Der Gewichtsverlust zeigt dir, wie schnell die Mischung verdunstet.
- Bewerte die Duftstärke im Raum nach einer Woche und nach drei bis vier Wochen noch einmal.
- Prüfe, ob die Mischung klar bleibt und die Stäbchen sich nicht zusetzen.
Die Duftstärke steuerst du nicht nur über den Ölanteil, sondern auch über Zahl, Länge und Dicke der Stäbchen. Mehr Stäbchen verdunsten mehr Flüssigkeit und duften stärker, leeren den Flakon aber schneller. Die Stäbchen saugen sich mit der Zeit zu und müssen irgendwann getauscht werden; ein Hinweis dazu gehört in die Gebrauchsanleitung.
Hinweis zur Kategorie 10A: IFRA und das Forschungsinstitut RIFM haben Stäbchen-Diffusoren dort eingeordnet, weil beim Wenden der getränkten Stäbchen Hautkontakt entstehen kann. Verlange deshalb die Bescheinigung ausdrücklich für diese Kategorie. IFRA kündigt an, die Kategorien 10, 11 und 12 im Zuge der 52. Amendment zu überprüfen; achte auf die aktuelle Fassung.
Raumspray: Ethanol, Wasser und Lösungsvermittler
Parfumöl löst sich in Ethanol, aber nicht in Wasser. Je mehr Wasser dein Spray enthält, desto mehr Lösungsvermittler brauchst du, damit die Mischung klar bleibt. Prüfe die Klarheit bei Raumtemperatur und in der Kälte, jeweils über mehrere Tage. Der Ethanolgehalt macht die Mischung entzündbar. Den Flammpunkt der fertigen Mischung musst du messen oder nach anerkannten Verfahren berechnen; der Wert des einzelnen Öls sagt darüber nichts aus. Sprays mit Treibgas sind Aerosole und unterliegen zusätzlichen Vorschriften, hier geht es nur um Pumpsprays. Lass den Ansatz vor dem Abfüllen einige Tage ruhen und beurteile ihn dann erneut. Achte außerdem darauf, dass Pumpkopf und Dichtungen das Lösemittel vertragen. Ethanol ist steuerrechtlich Alkohol: Wer unvergällten Alkohol verwendet, hat steuerliche Pflichten. Vergällung und Steuerfragen klärst du mit dem Hauptzollamt.
Elektrische Diffusoren: erst das Gerät lesen
Bei Ultraschall- und Nebelgeräten entscheidet die Bedienungsanleitung. Viele sind für Wasser mit wasserlöslichen Zusätzen gedacht. Reines Parfumöl kann Membran, Dichtungen und Kunststoffteile angreifen oder verkleben. Geräte mit Kartusche arbeiten als geschlossenes System. Biete Flüssigkeiten nur für Geräte an, deren Hersteller sie freigibt, und nenne das Gerät auf dem Etikett.
Sicherheit beim Ansetzen und im Raum
- Arbeite bei Ethanol und anderen entzündbaren Bestandteilen ohne Zündquellen und mit Lüftung.
- Trage Handschuhe und Schutzbrille und lies Abschnitt 8 des Sicherheitsdatenblatts (Expositionsbegrenzung und persönliche Schutzausrüstung).
- Halte fertige Flakons außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren; Verschlucken und Augenkontakt sind zu vermeiden.
- Weise auf Lüften hin: Raumduft gelangt dauerhaft in die Atemluft, und empfindliche Personen reagieren auf Duftstoffe.
- Beschrifte jede Charge und notiere Ansatz, Datum und Lösemittel.
Zum Versand von ethanolhaltigen Sprays und Flüssigkeiten lies den Beitrag Parfum versenden: Alkohol, Gefahrgut, Verpackung.
Kennzeichnung: Raumduft ist kein Kosmetikum
Raumduft fällt nicht unter die Kosmetikverordnung, sondern ist ein chemisches Gemisch. Für dich als Hersteller der Mischung gilt die CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008:
- Du stufst das fertige Gemisch selbst ein. Die Einstufung des Öls im Sicherheitsdatenblatt ist dafür eine Grundlage, ersetzt sie aber nicht.
- Das Etikett trägt je nach Einstufung Gefahrenpiktogramme, Signalwort sowie H- und P-Sätze, dazu Namen und Anschrift des Lieferanten und die Nennfüllmenge.
- Enthält das Gemisch Sensibilisatoren oberhalb bestimmter Grenzen, verlangt die Verordnung zusätzliche Hinweise wie EUH208.
- Für Gemische, die als gefährlich eingestuft sind, gehören der UFI (Unique Formula Identifier) auf das Etikett und eine Meldung an die Giftinformationszentren (Anhang VIII). Was der UFI ist, erklärt der Beitrag Sicherheitsdatenblatt von Parfumöl lesen.
- Bei bestimmten Einstufungen, zum Beispiel Aspirationsgefahr, sind kindergesicherte Verschlüsse und tastbare Gefahrenhinweise vorgeschrieben.
Dazu kommt die Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine Produktsicherheit. Und Vorsicht bei Werbeaussagen: Wer sein Produkt als keimtötend oder desinfizierend bewirbt, macht es zum Biozidprodukt mit eigenem Zulassungsrecht (Verordnung (EU) Nr. 528/2012). Bleib bei Aussagen zu Duft und Raumatmosphäre.
Prüfen, bevor du verkaufst
- Lagere Proben mehrere Wochen bei Raumtemperatur, im Warmen und im Licht und prüfe Klarheit, Farbe und Duft.
- Miss die Duftstärke im Raum nach einer, drei und sechs Wochen, damit du den Verlauf kennst.
- Teste Verpackung, Pumpkopf und Verschluss auf Dichtheit, auch auf der Seite liegend und bei einem Fall aus Tischhöhe.
- Halte Ansatz, Chargennummer und Prüfergebnisse schriftlich fest, damit du bei Rückfragen belegen kannst, was in der Flasche ist.
Raumduft als Lohnabfüllung
Wenn du nicht selbst ansetzen und abfüllen willst: Raumduft und Diffusor-Flüssigkeit gehören zu den Konzentraten, die Parfumfabrik in der Lohnabfüllung ab 500 Stück pro Duft abfüllt. Den Ablauf beschreibt die Seite Lohnabfüllung. Wer lieber Kerzen gießt, findet Richtwerte im Beitrag Parfumöl in Kerzen.
Etikett und Gebrauchshinweise
Neben der rechtlichen Kennzeichnung brauchst du Gebrauchshinweise, die Schäden und Unfälle verhindern:
- Stelle Diffusor-Flakons auf eine wasser- und lösemittelfeste Unterlage, denn Glykole und Glykolether können Lack, Holzpolitur und manche Kunststoffe angreifen.
- Kippe den Flakon nicht und halte ihn von Kindern und Haustieren fern.
- Vermeide Haut- und Augenkontakt beim Wenden der Stäbchen; bei Augenkontakt mit Wasser spülen.
- Sprühe Raumspray nicht auf empfindliche Textilien, Leder oder Möbel, ohne vorher an einer unauffälligen Stelle zu testen.
- Gib Füllmenge, Charge und Herstelldatum an, damit du Rückfragen zuordnen kannst.
Kurz zusammengefasst
- Stäbchen-Diffusor, Pumpspray und elektrischer Diffusor brauchen jeweils andere Lösemittel, Ölanteile und Bescheinigungen.
- Beim Stäbchen-Diffusor gelten 10 bis 25 % Öl als Richtwert, beim Pumpspray 2 bis 5 %.
- Stäbchen-Diffusoren gehören nach IFRA in Kategorie 10A, manuelle Sprays in 10B, geschlossene Geräte in 12.
- Raumduft ist ein Gemisch nach CLP: einstufen, kennzeichnen, UFI und Meldung bei gefährlichen Gemischen.
- Keine Werbung mit keimtötender Wirkung, sonst greift das Biozidrecht.
Dein nächster Schritt
Prüfe zuerst, für welche Bauart du dich entscheidest, und fordere dann in den Parfumölen Unterlagen für die passende IFRA-Kategorie an. Für Mengen und Abfüllung kannst du ein Angebot anfragen.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: 14. Oktober 2026.