Parfum Etiketten und Kartonagen drucken: Material, Verfahren, Daten

Welches Material hält Alkohol aus, welches Druckverfahren passt, und wie legst du Druckdaten an? Ein Leitfaden für Parfum Etiketten und Kartonagen.

8 Min. LesezeitFlakon, Etikett und Verpackung

Für: Marke und Hersteller

Inhalt (9)
  1. Was Etikett und Karton aushalten müssen
  2. Etikettenmaterial: Papier, Folie, transparent, metallic
  3. Druckverfahren im Vergleich
  4. Kartonagen: Bauformen und Material
  5. Druckdaten richtig anlegen
  6. Pflichtangaben auf Etikett und Karton unterbringen
  7. Proof und Freigabe
  8. Eigene Druckerei bei Parfumfabrik
  9. Kurz zusammengefasst

Parfum Etiketten und Kartonagen sind das Erste, was Kundinnen und Kunden von deiner Marke anfassen. Sie müssen gut aussehen, Alkohol und Öl aushalten und Pflichtangaben tragen, ohne überladen zu wirken. Dieser Beitrag erklärt, welche Materialien und Druckverfahren es gibt, wie Verpackungen aufgebaut sind und wie du Druckdaten so anlegst, dass der Druck beim ersten Mal sitzt.

Was Etikett und Karton aushalten müssen

Ein Parfumflakon kommt mit Alkohol, Duftöl und Hautfett in Berührung: beim Befüllen, beim Sprühen, beim Anfassen. Ein Etikett aus ungeschütztem Papier saugt Spritzer auf und wird fleckig. Eine Faltschachtel muss Kanten und Ecken halten, wenn sie im Versand gestoßen wird, und die Farbe darf beim Reiben nicht abfärben. Plane Material und Oberfläche deshalb zusammen und nicht getrennt.

Etikettenmaterial: Papier, Folie, transparent, metallic

  • Papier: matt oder glänzend, wirkt natürlich und lässt sich gut prägen. Ohne Schutzlack oder Laminat nimmt es Alkohol und Öl auf. Es eignet sich für Flakons, die selten angefasst werden, oder in Verbindung mit einer Lackierung.
  • Folie, zum Beispiel Polypropylen: wasser- und ölbeständig, formstabil und unempfindlich gegen Feuchte. Eine gängige Wahl für Flakons, die oft in die Hand genommen werden.
  • Transparente Folie: Das Etikett scheint nur aus Schrift und Logo zu bestehen, das Glas bleibt sichtbar. Der Druck braucht oft eine weiße Grundlage, sonst wirken helle Farben schwach.
  • Metallic und Prägefolien: geben dem Etikett Glanz und Tiefe, verlangen aber saubere und nicht zu feine Linien.

Den Klebstoff vergisst man leicht. Er muss auf Glas dauerhaft haften und darf bei Kondenswasser, etwa im Badezimmer, nicht nachgeben. Klebe ein Muster auf einen Flakon und lass es 24 Stunden liegen, bevor du eine Rolle bestellst. Tropfe danach etwas Parfum an die Kante des Etiketts: Verfärbt sich das Papier oder löst sich der Rand, ist das Material nicht geeignet.

Druckverfahren im Vergleich

Nicht jedes Verfahren passt zu jeder Auflage. Die Tabelle zeigt grobe Unterschiede, die genauen Möglichkeiten hängen von der Druckerei ab.

VerfahrenStärkenGrenzenPasst zu
Digitaldruck (Etikett, Karton)Kleine Auflagen, schnelle Änderungen, viele VariantenVeredelungen und Sonderfarben sind eingeschränkterStart einer Marke, mehrere Düfte mit je kleiner Menge
Offsetdruck (Karton)Gleichmäßige Flächen, Sonderfarben und LackeEinrichtekosten, lohnt sich bei größeren AuflagenKartons, die in größeren Serien wiederkehren
Flexodruck (Etiketten von der Rolle)Wirtschaftlich bei Rollenware, viele Folien möglichFeine Details sind begrenztEtiketten in mittleren und größeren Mengen
UV-Direktdruck auf GlasDruck direkt auf den Flakon, UV-gehärtete Farbe haftet gut, Weiß möglichFläche muss eben genug sein, Daten müssen zum Flakon passenKleine Serien ohne Etikettenrand
SiebdruckSatte Farben, fühlbarer FarbauftragWenige Farben, aufwendige EinrichtungGlas mit einfachem Logo in größeren Serien
HeißfolienprägungMetallischer Glanz in Gold oder Silber, ReliefNur für feine bis mittlere Flächen, Werkzeug nötigLogo oder Schriftzug als Akzent

Kartonagen: Bauformen und Material

  • Faltschachtel: flach gedruckt, gestanzt und gefaltet. Wirtschaftlich und platzsparend im Lager.
  • Magnetbox: feste Hartpappe, mit Papier kaschiert, mit Magnet im Deckel. Wertig in der Hand, aber aufwendiger in der Fertigung und schwerer im Versand.
  • Stülpkarton: zwei Teile, Deckel und Boden, die ineinandergreifen. Es bleibt Platz für ein Inlay und Beigaben.
  • Beilegekarte: kleine Karte mit Duftgeschichte, Anwendungshinweis oder Dank an die Kundschaft.

Faltschachteln bestehen meist aus Karton mit etwa 250 bis 400 g/m². Je dicker der Karton, desto stabiler und teurer ist er. Dazu wählst du Oberfläche und Veredelung: matt oder glänzend, Spotlack, Prägung, Heißfolie. Wenn dir Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft wichtig ist, frag nach FSC-zertifiziertem Karton. Auf der Rückseite brauchst du Fläche für Pflichtangaben, ein Feld für die Chargennummer und gegebenenfalls einen Barcode.

Die Innenmaße richten sich nach dem Flakon samt Pumpe und Deckel plus wenige Millimeter Spiel. Fordere bei der Druckerei die Stanzkontur an, bevor du gestaltest, und lege sie als eigene Ebene unter dein Layout. Beachte außerdem: Der Karton schützt die Optik, nicht das Glas. Für den Versand brauchst du zusätzlich einen stoßfesten Umkarton, wie im Beitrag zum Versand von Parfum beschrieben.

Druckdaten richtig anlegen

Die meisten Druckfehler entstehen nicht in der Druckmaschine, sondern in der Datei. Mit den folgenden Regeln vermeidest du die häufigsten.

Format, Auflösung und Farbraum

Wir erwarten PDF/X-4, 300 dpi, CMYK, eingebettete Schriften und 3 mm Beschnitt. PDF/X-4 ist ein Druck-PDF mit festen Regeln, das Transparenzen und Farbprofile mitführt. Bilder brauchen im Endformat 300 dpi, ein vergrößertes Bild wird unscharf. Arbeite von Anfang an in CMYK, denn Bildschirmfarben sind leuchtender als Druckfarben und verschieben sich bei der Umwandlung. Frag die Druckerei nach dem Farbprofil, das sie verwendet. In Europa sind das häufig FOGRA-Profile.

Schrift, Linien und Logos

  • Schriften einbetten oder in Pfade umwandeln, sonst ersetzt der Rechner sie durch andere.
  • Logos als Vektorgrafik liefern, denn Pixelbilder werden an den Kanten weich.
  • Feine Linien nicht dünner als etwa 0,25 pt anlegen und helle Schrift auf dunklem Grund nicht zu klein setzen, weil sie im Druck zulaufen.
  • Kleinen schwarzen Text nur mit Schwarz anlegen und nicht aus vier Farben mischen, damit er scharf bleibt.

Beschnitt, Sicherheitsabstand und Stanzkontur

Hintergrundflächen laufen über die Schnittkante hinaus: Das ist der Beschnitt. Wichtiges wie Text, Logo und Barcode hältst du mit etwa drei Millimetern Abstand von der Kante, damit nichts angeschnitten wird. Bei Kartons liegen Falzkanten und Klebelaschen innerhalb der Stanzkontur. Text, der über eine Falzkante läuft, knickt und ist schwer zu lesen.

Die Weiß-Ebene beim UV-Direktdruck

Auf Glas übernimmt Weiß eine doppelte Rolle: Es deckt und liefert den hellen Grund für farbigen Druck. Für den UV-Direktdruck legst du die Weißfläche als eigene Ebene in der Sonderfarbe „White“ an. Alles, was weiß gedruckt werden soll, liegt auf dieser Ebene und deckt sich genau mit dem Motiv. Frag nach, ob die Druckerei die Ebene überdruckend oder ausgespart erwartet.

Prüfe die Datei vor dem Absenden mit dieser Liste:

  1. Endformat und Beschnitt stimmen mit der Vorlage überein.
  2. Alle Bilder liegen mit 300 dpi im Endformat vor, in CMYK.
  3. Schriften sind eingebettet oder in Pfade umgewandelt.
  4. Pflichtangaben sind vollständig und gut lesbar.
  5. Der Barcode steht dunkel auf hellem Grund, hat Ruhezone und ist nicht unter die erlaubte Mindestgröße skaliert.
  6. Für die Chargennummer ist ein freies Feld vorgesehen, falls sie aufgedruckt wird.
  7. Die Datei ist als PDF/X-4 exportiert und im Betrachter kontrolliert.

Pflichtangaben auf Etikett und Karton unterbringen

Die Kosmetikverordnung verlangt, dass Pflichtangaben unverwischbar, leicht lesbar und deutlich sichtbar sind (Art. 19 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009). Eine Mindestschriftgröße nennt die Verordnung selbst nicht. Das heißt nicht, dass winzige Schrift reicht: Ist ein Text kaum zu lesen, ist er nicht leicht lesbar. Plane die Fläche von Anfang an ein, statt die Angaben zum Schluss irgendwo unterzubringen.

  • Die Zutatenliste mit der Überschrift „Ingredients“ muss nur auf der Verpackung stehen (Art. 19 Abs. 1 Buchst. g).
  • Name und Anschrift der Verantwortlichen Person, Nenninhalt, Haltbarkeitsangabe, Vorsichtsmaßnahmen und Chargennummer gehören in der Regel auf Flakon und Karton. Bei kleinen Produkten darf die Chargennummer nur auf der Verpackung stehen (Art. 19 Abs. 1 Buchst. a bis e).
  • In Deutschland müssen die Angaben zu Nenninhalt, Haltbarkeit, Vorsichtsmaßnahmen und Verwendungszweck auf Deutsch stehen.
  • Reicht der Platz nicht, kann unter bestimmten Bedingungen ein Beipackzettel mit Handsymbol verwendet werden (Art. 19 Abs. 2). Als Beipackzettel kann eine Beilegekarte dienen.

Welche Angaben genau Pflicht sind und wie du sie prüfst, beschreibt der Beitrag zu den Pflichtangaben auf dem Parfum-Etikett. Die Auswahl des Flakons entscheidet, wie viel Fläche dir bleibt, mehr dazu im Beitrag zur Flakon-Auswahl.

Proof und Freigabe

Ein Bildschirm ist kein Druck. Verlange vor der Serie ein Muster oder einen Proof, an dem du Farbe, Schärfe, Haptik und Passform prüfst. Halte Flakon, Etikett und Karton nebeneinander und lies jede Pflichtangabe laut. Erst danach gibst du frei, möglichst schriftlich. Bei der Lohnabfüllung bekommst du ein Vorabmuster mit Duft, Druck und Verpackung und gibst es schriftlich frei, bevor die Serie beginnt.

Eigene Druckerei bei Parfumfabrik

Etiketten und Kartonagen (Faltschachtel, Magnetbox, Stülpkarton und Beilegekarte) kommen bei uns aus der eigenen Druckerei. Du wählst zwischen Etikett und UV-Direktdruck in CMYK mit Weiß, mit Oberflächen in matt, glänzend, metallic oder transparent. Heißprägung in Gold oder Silber gibt es ab 200 Stück. Deine Druckdaten prüfen wir kostenfrei. Ohne eigene Gestaltung übernimmt unser Design-Service.

Kurz zusammengefasst

  • Wähle Etikettenmaterial und Klebstoff mit dem echten Parfum aus: 24 Stunden Haftprobe und ein Tropfen an der Kante.
  • Digitaldruck passt zu kleinen Auflagen, Offset und Flexo zu größeren, UV-Direktdruck zu Serien ohne Etikettenrand.
  • Karton schützt die Optik, für den Versand brauchst du einen Umkarton.
  • Druckdaten: PDF/X-4, 300 dpi, CMYK, Schriften eingebettet, 3 mm Beschnitt, bei UV-Direktdruck eine Weiß-Ebene.
  • Plane Platz für Pflichtangaben, Chargennummer und Barcode von Anfang an ein.
  • Gib erst nach einem Muster oder Proof frei.

Als nächsten Schritt legst du Flakonmaß und Pflichtangaben fest und fragst dann über die Lohnabfüllung an, ob Material, Verfahren und Daten zu deinem Projekt passen.

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