Private Label Parfum: Welcher Weg passt zu deiner Menge?

Whitelabel-Öl, Kleinserie, Lohnabfüllung oder Sonderflakon: Die vier Wege zur eigenen Parfummarke mit Mindestmenge, Dauer und Entscheidungshilfe.

7 Min. LesezeitEigene Marke und Private Label

Für: Einsteiger, Marke und Hersteller

Inhalt (12)
  1. Begriffe: Private Label, White Label, Lohnabfüllung
  2. Die vier Wege nach Menge im Überblick
  3. Weg 1: Whitelabel-Öle ab 100 g
  4. Weg 2: Kleinserie im Konfigurator ab 20 Stück
  5. Weg 3: Lohnabfüllung und Private Label ab 500 Stück
  6. Weg 4: Sonderflakons und Premium
  7. Kosten und Kapital: worauf es ankommt
  8. Wann du den Weg wechselst
  9. So entscheidest du: fünf Fragen
  10. Drei Beispiele zur Einordnung
  11. Was auf jedem Weg gleich bleibt: Dokumente und Pflichten
  12. Kurz zusammengefasst

Private Label Parfum heißt: Du verkaufst ein Parfum unter deinem Namen, das ein Hersteller für dich produziert. Welcher Weg dorthin passt, hängt vor allem an einer Zahl, nämlich der Menge pro Duft. Dieser Beitrag stellt die vier Wege nebeneinander, die bei Parfumfabrik zu einer eigenen Marke führen, und hilft dir, den passenden für dein Vorhaben zu wählen.

Begriffe: Private Label, White Label, Lohnabfüllung

Im Gespräch mit Herstellern fallen mehrere Wörter, die nicht dasselbe meinen. So benutzen wir sie:

  • Eigene Marke: der Oberbegriff für alle Wege, bei denen dein Name auf dem Produkt steht.
  • Private Label: Du wählst einen Duft aus dem Sortiment, der Hersteller mischt, füllt ab und bedruckt, alles unter deinem Namen.
  • Whitelabel-Öl: Du verkaufst das Parfumöl des Herstellers unter deinem Namen weiter, es entsteht kein eigenes Parfum.
  • Lohnabfüllung: Der Hersteller füllt für dich ab und verpackt. Flakons, Etiketten oder Rezeptur kannst du selbst mitbringen, das nennt man Beistellung.

Die vier Wege nach Menge im Überblick

WegAb MengeDauerDas ist enthalten
Whitelabel-Öleab 100 gVersand in 3 bis 5 WerktagenDu verkaufst Parfumöl unter deinem Namen, abgefüllt, etikettiert und versendet wird für dich
Konfigurator (Kleinserie)ab 20 Stück4 bis 8 Wochen nach DruckfreigabeFlakon, Sprühkopf, Druck, Verpackung und Duft online wählen, der Stückpreis steht live daneben
Lohnabfüllung und Private Labelab 500 Stück pro Duft4 bis 6 WochenDuft, Abfüllung, Etikett, Karton und Dokumente unter deiner Marke
Sonderflakons und Premiumab 500 Stück2 bis 4 MonateEigene Flakonform, Sonderlack, Prägung, Heißfolie oder Magnetbox auf Anfrage

Lies die Mengenangaben genau: Bei der Lohnabfüllung gilt die Mindestmenge je Duft und nicht für das ganze Sortiment. Drei Düfte mit je 200 Stück erreichen die Schwelle also nicht, auch wenn die Summe 600 Stück beträgt. Für solche Fälle ist die Kleinserie gedacht.

Weg 1: Whitelabel-Öle ab 100 g

Der Einstieg mit geringer Menge: Du kaufst Parfumöl und verkaufst es unter deinem Namen weiter. Das passt, wenn du den Markt testen willst, ein Sortiment aufbauen möchtest oder ohnehin Händler bist. Du musst keinen eigenen Duft entwickeln, denn die Öle im Katalog stehen bereit.

Die Öle gibt es in gestaffelten Gebinden von 100 g über 250 g und 500 g bis 1 kg, größere Mengen von 10 und 25 kg werden auf Bestellung produziert. Mit 100 g testest du, ob ein Duft bei deinen Kunden ankommt, bevor du größere Gebinde nachbestellst. Wer erst riechen will, bestellt vorher Muster.

Beachte den Unterschied zum fertigen Parfum: Wer aus dem Öl ein Parfum zum Auftragen mischt und an Verbraucher verkauft, verkauft ein kosmetisches Mittel mit allen Pflichten, die dazugehören. Mehr dazu im Abschnitt zu den gemeinsamen Pflichten weiter unten.

Weg 2: Kleinserie im Konfigurator ab 20 Stück

Für den ersten eigenen Flakon mit eigenem Druck: Du stellst Flakon, Sprühkopf, Druck, Verpackung und Duft im Konfigurator zusammen und siehst den Stückpreis sofort. Der Weg passt für Tests, Pop-ups und einen Start mit kleinem Risiko, weil du nicht Hunderte Stück je Duft vorfinanzierst. Die Dauer beginnt mit der Druckfreigabe, deine Datei sollte also früh stehen.

Weg 3: Lohnabfüllung und Private Label ab 500 Stück

Wenn du je Duft einige hundert Stück absetzt, ist die Lohnabfüllung der Standardweg. Der Hersteller liefert Duft, Abfüllung, Etikett, Karton und Dokumente. Drei Varianten gibt es:

  • Private Label: Du nimmst einen Duft aus dem Sortiment.
  • Eigener Duft: Der Duft wird mit dir aus vorhandenen Ölen entwickelt, danach läuft es wie beim Private Label. Die Entwicklung kostet nichts.
  • Beistellung: Du bringst Flakons, Etiketten oder deine Rezeptur mit, und der Hersteller füllt ab und verpackt.

Das bringst du mit: Marke, Design und die Wahl des Flakons. Das übernimmt der Hersteller: Mischen, Abfüllen, Etikett, Karton und Dokumente.

Eine Pauschale gibt es nicht: Stückzahl, Flakon, Druck, Verpackung und Duftquelle bestimmen den Stückpreis. Den Ablauf Schritt für Schritt beschreibt der Beitrag Lohnabfüllung: Ablauf von der Anfrage bis zur Lieferung.

Weg 4: Sonderflakons und Premium

Eine eigene Flakonform, Sonderlack, Prägung, Heißfolie oder eine Magnetbox gehören zur Markenarchitektur und nicht zum Schnellstart. Das lohnt sich, wenn dein Konzept über das Aussehen lebt und du die Menge sicher absetzt. Sonderanfertigungen brauchen Vorlauf bei Werkzeug und Lieferanten, deshalb liegt die Dauer deutlich über den anderen Wegen. Kläre vor der Anfrage, welche Veredelungen dein Design braucht, und lass dir ein Muster zeigen, denn Lack, Prägung und Folie wirken am fertigen Stück anders als am Bildschirm.

Kosten und Kapital: worauf es ankommt

Konkrete Preise hängen von deinem Projekt ab, deshalb nennt dieser Beitrag keine Zahlen. Die Stellschrauben kannst du trotzdem schon benennen:

  • Stückpreis: Er setzt sich aus Duft, Flakon, Verschluss, Druck, Verpackung und Abfüllung zusammen. Mehr Menge macht ihn in der Regel niedriger.
  • Einmalige Kosten: Muster, Druckvorbereitung und die Sicherheitsbewertung fallen je Duft an und verteilen sich auf mehr Stück, wenn die Auflage größer ist.
  • Kapitalbindung: Wer 500 Stück je Duft bestellt, hat Ware im Lager, bevor der erste Kunde kauft. Beim Ölweg bestellst du nach.
  • Zeit: Jeder Weg hat eine andere Dauer. Wer früh verkaufen will, braucht einen Weg, der ohne langen Vorlauf auskommt.

Wann du den Weg wechselst

Die Wege schließen sich nicht aus. Viele starten klein und wechseln, sobald die Zahlen es hergeben. Ein Wechsel lohnt sich, wenn ein Duft sich regelmäßig verkauft, du ihn nachbestellst und mit eigenem Flakon und Druck mehr Wert aufbauen willst. Dann nimmst du Duft und Rezeptur mit und erhöhst nur Menge und Ausstattung. Plane den Wechsel früh: Eine Rezeptur sollte feststehen, bevor du eine Sicherheitsbewertung beauftragst, damit du sie nicht wiederholen musst.

So entscheidest du: fünf Fragen

  1. Wie viele Stück je Duft setzt du in den ersten sechs Monaten realistisch ab? Die Menge schränkt die Wege deutlich ein: Öl ab 100 g, Kleinserie ab 20 Stück, Lohnabfüllung ab 500 Stück.
  2. Brauchst du einen eigenen Duft? Dann plane Entwicklung und Mustertermine ein. Wie du dich vorbereitest, steht im Beitrag Duftentwicklung: Briefing.
  3. Wie viel Kapital darf in Ware gebunden sein? Größere Mengen senken den Stückpreis, binden aber Geld im Lager.
  4. Wie wichtig ist ein besonderer Flakon? Je individueller die Form, desto höher Menge und Vorlauf.
  5. Wer übernimmt die rechtlichen Pflichten? Das musst du vor dem ersten Verkauf klären, auf jedem Weg.

Drei Beispiele zur Einordnung

Die Beispiele sind Denkmodelle und keine Kundenfälle:

  • Online-Händlerin mit kleinem Budget: Die Händlerin startet mit Whitelabel-Ölen, testet, welche Düfte laufen, und wechselt später in die Kleinserie.
  • Gründer mit drei Düften: Er plant je Duft einige hundert Stück im Jahr. Die Kleinserie deckt den Start, bei Wachstum lohnt sich die Lohnabfüllung.
  • Marke mit eigener Flakonform: Die Marke rechnet mit mindestens 500 Stück und plant 2 bis 4 Monate Vorlauf ein.

Was auf jedem Weg gleich bleibt: Dokumente und Pflichten

Sobald du ein Parfum zum Auftragen an Verbraucher verkaufst, ist es in der EU ein kosmetisches Mittel. Dann brauchst du eine Verantwortliche Person, eine Sicherheitsbewertung (CPSR), eine Produktinformationsdatei, die CPNP-Meldung vor dem ersten Verkauf und ein Etikett mit allen Pflichtangaben. Zu den Ölen aus unserem Sortiment gehören Sicherheitsdatenblatt, IFRA-Bescheinigung und Allergenliste. Den Überblick findest du auf der Seite Recht und Zulassung.

Kurz zusammengefasst

  • Die Menge pro Duft entscheidet: Öl ab 100 g, Kleinserie ab 20 Stück, Lohnabfüllung ab 500 Stück pro Duft.
  • Whitelabel-Öle sind der Einstieg ohne eigenes Parfum, die Kleinserie der erste eigene Flakon.
  • Lohnabfüllung liefert Duft, Abfüllung, Druck, Karton und Dokumente aus einer Hand.
  • Sonderflakons brauchen mehr Menge und Zeit, sie sind eine spätere Stufe.
  • Die Pflichten für ein Parfum unter deinem Namen gelten auf jedem Weg.

Alle vier Wege mit Mindestmengen und Dauer auf einer Seite findest du unter Eigene Marke. Dort wählst du auch den nächsten Schritt.

Schlagwörter: Private Label Parfumeigene Parfummarke

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