Duftpyramide: Kopf-, Herz- und Basisnoten einfach erklärt

Die Duftpyramide erklärt, wie sich ein Parfum entwickelt: Kopfnoten, Herznoten und Basisnoten, typische Rohstoffe und wie du eine Pyramide beim Testen liest.

7 Min. LesezeitQualität und Wissen

Für: Einsteiger

Inhalt (12)
  1. Was die Duftpyramide beschreibt
  2. Kopfnoten: der erste Eindruck
  3. Herznoten: der Charakter
  4. Basisnoten: das Fundament
  5. Wie die Ebenen zusammenarbeiten
  6. Pyramide und Konzentration
  7. Häufige Missverständnisse
  8. Eine Pyramide lesen: ein Beispiel
  9. Die Pyramide im Katalog nutzen
  10. So testest du eine Pyramide
  11. Die Pyramide im Briefing für einen eigenen Duft
  12. Kurz zusammengefasst

Die Duftpyramide beschreibt, wie sich ein Parfum nach dem Aufsprühen verändert: Zuerst treten die Kopfnoten hervor, dann die Herznoten, am Ende bleiben die Basisnoten. Das Modell hilft dir, Düfte zu lesen, zu vergleichen und für eine eigene Marke zu briefen. Dieser Beitrag erklärt die drei Ebenen, die typischen Noten und warum die Pyramide eine Vereinfachung ist.

Was die Duftpyramide beschreibt

Jeder Duftstoff verdunstet unterschiedlich schnell. Leichte, flüchtige Moleküle riechst du sofort, dafür verschwinden sie schnell. Schwere Moleküle brauchen länger, bis sie wahrnehmbar werden, und bleiben dann lange auf Haut und Stoff. Die Duftpyramide ordnet die Noten eines Parfums nach dieser Flüchtigkeit in drei Ebenen.

Sie zeigt also einen Verlauf in der Zeit und kein starres Stockwerk-Modell. In Wirklichkeit gehen die Ebenen ineinander über, und von der ersten bis zur letzten Stunde riechst du ein Zusammenspiel aller Bestandteile, nur mit wechselnden Anteilen.

Kopfnoten: der erste Eindruck

Kopfnoten sind das, was du direkt nach dem Sprühen riechst. Typisch sind Zitrusfrüchte wie Bergamotte, Zitrone und Mandarine, leichte Früchte, Kräuter wie Basilikum oder Minze und einzelne Gewürze wie Ingwer. Sie wirken frisch, hell und lebendig. Auf der Haut nehmen sie sich meist nach etwa 5 bis 30 Minuten zurück. Für den Verkauf zählen sie, weil sie über den ersten Eindruck entscheiden: Wer im Laden oder auf einem Duftstreifen testet, riecht vor allem den Kopf. Zitrusöle sind zudem empfindlicher gegenüber Licht, Wärme und Luft als schwere Rohstoffe und altern schneller, deshalb solltest du Öle mit viel Kopf besonders kühl und dicht verschlossen lagern.

Herznoten: der Charakter

Die Herznoten bilden den Kern und treten hervor, wenn die Kopfnoten abklingen. Dazu zählen Blüten wie Jasmin, Rose, Orangenblüte und Tuberose, aber auch Gewürze wie Zimt, grüne Noten, Iris oder weiche Hölzer. Sie bestimmen die Richtung eines Dufts, also ob er blumig, würzig oder grün wirkt. Sie tragen sich meist über mehrere Stunden und prägen den Eindruck während des Tages.

Basisnoten: das Fundament

Basisnoten sind schwer und haften lange. Dazu gehören Hölzer wie Sandel- und Zedernholz, Vetiver und Patchouli, Harze und Balsame wie Amber, Weihrauch und Benzoe, außerdem Vanille, Tonkabohne, Moschus und Leder. Sie werden langsam spürbar und bleiben als Duftspur zurück, auf der Haut oft sechs Stunden und länger, auf Kleidung deutlich länger. Die Basis gibt dem Duft Tiefe, hält leichtere Bestandteile fest und bestimmt, woran man sich nach dem Tag erinnert.

EbeneTypische NotenWirkungWann du sie wahrnimmst
KopfBergamotte, Zitrone, Mandarine, Minze, IngwerFrisch, hell, belebendSofort nach dem Sprühen, nur kurz
HerzJasmin, Rose, Orangenblüte, Zimt, IrisPrägt den Charakter des DuftsNach den ersten Minuten, über Stunden
BasisSandelholz, Vetiver, Amber, Vanille, MoschusTief, warm, haftendAllmählich, bleibt am längsten

Wie die Ebenen zusammenarbeiten

Eine Rezeptur ist keine Reihe von Stockwerken, sondern ein Gefüge. Schwere Basisnoten halten leichtere Moleküle fest und verlängern so deren Wirkung. Man nennt solche Stoffe Fixateure. Kopfnoten geben dem Duft Frische, damit die Basis nicht erdrückend wirkt. Herznoten verbinden beides. Ein Übergang gelingt, wenn sich die Ebenen überlappen. Ein Duft ohne Überlappung klingt wie drei getrennte Düfte, die nacheinander kommen.

Mehrere Noten verschmelzen außerdem zu einem Akkord, den die Nase als eine neue Note wahrnimmt. Vanille, Amber und Sandelholz ergeben zum Beispiel einen warmen, cremigen Eindruck, der mehr ist als die Summe seiner Teile. Parfümeurinnen und Parfümeure arbeiten gezielt mit solchen Akkorden, weil sie dem Duft Wiedererkennbarkeit geben.

Die Zuordnung einer Note zu einer Ebene ist zudem relativ. Derselbe Rohstoff kann in einem Parfum als Herz wirken und in einem anderen als Basis, je nachdem, welche Stoffe neben ihm stehen. Deshalb weichen Pyramiden verschiedener Anbieter bei gleichen Rohstoffen manchmal voneinander ab.

Pyramide und Konzentration

Wie sich die Ebenen anfühlen, hängt auch vom Ölanteil ab. Ein leichtes Eau de Cologne lebt fast ganz von Kopfnoten und ist schnell verflogen. Je höher die Konzentration, desto mehr Gewicht bekommen Herz und Basis, und desto ruhiger und länger wird der Verlauf. Dieselbe Duftidee kann deshalb in zwei Konzentrationen unterschiedlich wirken. Wie Haltbarkeit und Reichweite zusammenhängen, steht im Beitrag Haltbarkeit und Sillage von Parfum.

Es gibt außerdem Düfte, die sich bewusst kaum verändern. Solche linearen Kompositionen sind so gebaut, dass der Eindruck von der ersten bis zur letzten Stunde ähnlich bleibt. Bei ihnen sagt die Pyramide weniger über den Verlauf aus, und der Test auf der Haut wird noch wichtiger.

Häufige Missverständnisse

  • Die Pyramide ist das Rezept? Nein, sie nennt Noten, aber keine Mengen und nicht die Rohstoffe im Detail.
  • Kopfnoten sind nebensächlich? Nein, denn sie entscheiden, ob jemand überhaupt weiterriecht, auch wenn sie nur kurz bleiben.
  • Die Basis riecht man erst am Ende? Nicht ganz, denn die Basis ist von Anfang an im Duft und tritt nur erst später in den Vordergrund.
  • Auf jeder Haut verläuft der Duft gleich? Nein, Hauttyp, Temperatur und Menge verändern die Wahrnehmung der Ebenen.

Eine Pyramide lesen: ein Beispiel

Stell dir diese Angabe vor: Kopf: Bergamotte, Ingwer, Grapefruit. Herz: Jasmin, Kardamom, Zedernholz. Basis: Vetiver, Amber, Moschus. Daraus liest du einen frischen, zitrischen Start, einen blumig-würzigen Mittelteil und einen trockenen, warmen Ausklang. Mit dieser Lesart sortierst du Düfte schon vor dem ersten Test vor.

Die Pyramide im Katalog nutzen

Im Katalog ordnen wir jedes Öl einer von acht Duftfamilien zu und zeigen die Pyramide mit Kopf-, Herz- und Basisnoten sowie unsere Einschätzung von Haltbarkeit und Ausstrahlung auf einer Skala von 1 bis 5. Nutze die Pyramide als Filter. Suchst du einen Sommerduft, achte auf viel Kopf und Herz mit leichter Basis. Für einen Winterduft darf die Basis den Ton angeben. Die Liste sagt aber nichts über die Menge: Zwei Düfte mit denselben Noten können sehr unterschiedlich riechen. Welche Familie zu welchem Charakter gehört, erklärt der Beitrag zu den Duftfamilien im Überblick. Den Katalog findest du unter Parfumöle.

So testest du eine Pyramide

  1. Teste ein Parfumöl zuerst auf einem Duftstreifen. Er zeigt dir den Kopf, aber nicht, wie der Duft auf der Haut verläuft.
  2. Für die Haut nimmst du ein fertig gemischtes Parfum, etwa ein Muster aus dem Bulk-Parfum, oder verdünnst das Öl selbst in Ethanol.
  3. Rieche sofort, nach etwa 15 Minuten, nach einer Stunde, nach vier Stunden und am Abend.
  4. Notiere bei jedem Schritt drei Stichworte, zum Beispiel „zitrisch, kühl, grün“.
  5. Rieche am nächsten Morgen an einem Stück Stoff, zum Beispiel am Ärmel.
  6. Vergleiche deine Notizen mit der Pyramide: Wo passen Erwartung und Wahrnehmung zusammen, wo nicht?

Parfumöl ist ein Konzentrat und gehört nicht unverdünnt auf die Haut. Muster bekommst du ab 5 g bei Öl und ab 5 ml bei Bulk-Parfum. Das reicht, um jede Stufe in Ruhe zu prüfen. Mehr zum Testen und Bewerten steht im Beitrag Muster testen und Duft bewerten.

Die Pyramide im Briefing für einen eigenen Duft

Wenn du einen eigenen Duft entwickeln lässt, beschreibe nicht nur einzelne Rohstoffe, sondern den Verlauf. Zum Beispiel: „Startet frisch, wird blumig, endet hautnah mit Moschus.“ Das ist für Parfümeurinnen und Parfümeure eine brauchbare Vorgabe, weil sie Frische, Charakter und Dauer getrennt planen können. Wie ein vollständiges Briefing aussieht, steht im Beitrag zum Briefing für die Duftentwicklung.

Kurz zusammengefasst

  • Die Duftpyramide ordnet Noten nach ihrer Flüchtigkeit in Kopf, Herz und Basis.
  • Kopfnoten bestimmen den ersten Eindruck, Herznoten den Charakter, Basisnoten die Dauer und die Tiefe.
  • Die Ebenen gehen ineinander über, die Pyramide ist ein Verlauf und keine Schichtung.
  • Die Pyramide verrät Richtung und Stil, aber keine Mengen. Rieche deshalb immer selbst.
  • Teste in Stufen: Streifen, Haut, nach vier Stunden, am nächsten Morgen am Stoff.

Als nächsten Schritt bestellst du ein Muster aus dem Katalog und prüfst die Pyramide selbst. Willst du einen eigenen Duft mit klarem Verlauf, beginne mit der Duftentwicklung.

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