Haltbarkeit und Sillage von Parfum: Was sie beeinflusst
Wie lange ein Parfum hält und wie weit man es riecht, hängt von Konzentration, Duftnoten, Haut und Anwendung ab. So testest du Haltbarkeit und Sillage.
Für: Einsteiger, Händler
Inhalt (11)
- Haltbarkeit und Sillage: zwei verschiedene Eigenschaften
- Was in der Rezeptur steckt
- Was auf der Haut passiert
- Umgebung und Gewohnheit
- Die Hebel im Überblick
- So misst du Haltbarkeit und Sillage
- Typische Fehler beim Beurteilen
- Tipps für deine Kundschaft
- Haltbarkeit und Ausstrahlung im Katalog
- Realistische Aussagen für deine Marke
- Kurz zusammengefasst
Die Haltbarkeit eines Parfums auf der Haut und seine Sillage gehören zu den ersten Dingen, nach denen Kundinnen und Kunden fragen. Beides lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beschreiben, denn es hängt von der Rezeptur, der Konzentration, der Haut und der Anwendung ab. Dieser Beitrag erklärt, was die beiden Begriffe bedeuten, welche Hebel es gibt und wie du beides selbst prüfst.
Haltbarkeit und Sillage: zwei verschiedene Eigenschaften
Haltbarkeit (englisch Longevity) beschreibt, wie lange du einen Duft nach dem Aufsprühen noch wahrnimmst. Sillage, französisch für Duftspur, beschreibt, wie weit und wie stark er in der Umgebung zu riechen ist. Beides ist nicht dasselbe. Ein Moschus-Duft kann viele Stunden auf der Haut bleiben und dabei hautnah wirken. Ein kräftig strahlender Zitrusduft ist dagegen schon nach zwei Stunden kaum noch zu spüren.
Nicht gemeint ist hier die Haltbarkeit des Produkts im Flakon, also wie lange es lagerfähig ist. Dazu lies den Beitrag zur Lagerung und Haltbarkeit von Parfumöl.
Was in der Rezeptur steckt
Konzentration
Je höher der Anteil an Parfumöl, desto länger und stärker ist ein Duft in der Regel wahrnehmbar. Als Richtwerte gelten für ein Eau de Parfum 15 bis 20 Prozent Parfumöl, für ein Eau de Toilette 8 bis 12 Prozent und für ein Eau de Cologne 3 bis 5 Prozent. Der Zusammenhang ist aber nicht linear: Die doppelte Menge Öl verdoppelt weder Dauer noch Stärke. Dazu kommen Grenzen durch die Löslichkeit im Alkohol, die Kosten, die Hautverträglichkeit und die Einsatzgrenzen einzelner Stoffe laut IFRA-Zertifikat. Wie du Öl und Alkohol mischst, beschreibt der Beitrag zum Mischverhältnis von Parfumöl und Alkohol.
Duftnoten und Duftfamilie
Schwere Rohstoffe wie Moschus, Amber, Vanille, Harze und viele Hölzer haften länger als leichte wie Zitrus und manche grüne Noten. Orientalische und holzige Düfte tragen sich deshalb meist länger als aquatische und fruchtig-frische. Eine Rezeptur mit starker Basis hält länger, kann aber weniger Frische am Anfang haben. Ein Duft mit viel Kopf wirkt zu Beginn sehr lebendig und verschwindet schneller. In der Duftpyramide siehst du, wie die Noten zusammen verlaufen. Die Familien erklärt der Beitrag Duftfamilien im Überblick.
Reifung und Verarbeitung
Direkt nach dem Mischen ist ein Parfum noch nicht fertig. Öl und Alkohol brauchen Zeit, bis sich der Duft abrundet, und danach wird oft gekühlt und filtriert. Ein gut gereiftes Parfum wirkt stimmig, ein frisch gemischtes eher scharf und dünn. Mehr dazu liest du im Beitrag zur Reifezeit und Mazeration.
Was auf der Haut passiert
Dieselbe Mischung riecht auf zwei Menschen nicht gleich lang. Folgende Faktoren spielen eine Rolle:
- Hauttyp: Auf trockener Haut verfliegt Duft oft schneller, weil weniger Fett ihn bindet. Gepflegte, leicht rückgefettete Haut hält ihn meist länger.
- Temperatur: Wärme beschleunigt die Verdunstung. Im Sommer wirkt ein Duft anfangs intensiver, hält aber nicht unbedingt länger.
- Stelle: An warmen Stellen wie Handgelenk, Hals und Ellenbeuge entfaltet sich der Duft stärker. Auf Kleidung und Haaren bleibt er länger. Teste vorher an einer unauffälligen Stelle, denn Alkohol und Öl können empfindliche Stoffe fleckig machen.
- Menge: Mehr Sprühstöße verändern vor allem die Sillage und kaum die Dauer.
- Pflegeprodukte: Stark parfümierte Cremes und Duschgele vermischen sich mit dem Parfum und verändern den Eindruck.
Umgebung und Gewohnheit
Die Nase gewöhnt sich an Düfte. Nach einer Weile nimmst du deinen eigenen Duft kaum noch wahr, obwohl andere ihn noch riechen. Diese Geruchsermüdung führt dazu, dass viele Menschen ihr Parfum für schwächer halten, als es ist, und mehr nachsprühen. Auch Luftzug, Heizungsluft und die Größe des Raums verändern, wie weit ein Duft trägt. In einem kleinen, warmen Raum wirkt dieselbe Menge deutlich stärker als draußen. Bitte deshalb andere Personen um ihr Urteil, wenn du die Sillage einschätzen willst.
Die Hebel im Überblick
| Hebel | Wirkung auf die Haltbarkeit | Wirkung auf die Sillage | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Mehr Parfumöl | Meist länger | Meist stärker | Nicht linear, Grenzen durch Löslichkeit, Kosten und Verträglichkeit |
| Mehr Basisnoten | Länger | Oft hautnäher | Der Duftcharakter wird wärmer und schwerer |
| Mehr Kopfnoten | Kürzer | Anfangs kräftig | Frischer Start, schnell vorbei |
| Reifung | Stabiler | Runder | Zeit nach dem Mischen einplanen |
| Pflegende Haut | Meist länger | Wenig | Parfümfreie Pflege ist neutral |
| Mehr Sprühstöße | Wenig | Deutlich stärker | Rücksicht auf die Umgebung nehmen |
So misst du Haltbarkeit und Sillage
Ein sauberer Test sieht so aus:
- Wähle saubere, unparfümierte Haut und immer dieselbe Stelle, zum Beispiel die Innenseite des Unterarms.
- Trage pro Arm nur einen Duft auf, mit gleicher Menge, etwa zwei Sprühstöße. Prüfe an einem Tag höchstens zwei bis drei Düfte.
- Notiere die Stärke nach 30 Minuten, 2, 4, 6 und 8 Stunden auf einer Skala von 1 bis 5.
- Bitte eine zweite Person, nach 30 Minuten und nach 2 Stunden aus etwa einem Meter Abstand zu riechen und die Wahrnehmung zu bewerten. So prüfst du die Sillage.
- Wiederhole den Test an einem zweiten Tag und, wenn möglich, mit einer zweiten Testperson, denn Hauttypen unterscheiden sich.
- Halte Datum, Konzentration, Menge und Wetter fest, damit du Ergebnisse später vergleichen kannst.
Parfumöl ist ein Konzentrat und gehört nicht unverdünnt auf die Haut. Für den Hauttest nimmst du ein fertig gemischtes Parfum oder verdünnst das Öl vorher in Ethanol. Muster bekommst du ab 5 g bei Öl und ab 5 ml bei Bulk-Parfum.
Typische Fehler beim Beurteilen
- Nur der Duftstreifen: Er zeigt den Auftakt, aber nicht, wie sich der Duft auf der Haut verhält.
- Zu viele Düfte hintereinander: Nach dem dritten oder vierten ist die Nase müde und das Urteil unsicher.
- Unterschiedliche Mengen: Wer einen Duft mit einem Sprühstoß und den anderen mit drei testet, vergleicht nichts.
- Kalter Raum oder Zugluft: Die Bedingungen verändern den Eindruck stärker, als man erwartet.
- Nur eine Testperson: Die eigene Haut ist ein Einzelfall.
Tipps für deine Kundschaft
Wenn du eine eigene Marke aufbaust, kannst du Anwendungstipps auf einer Beilegekarte oder deiner Website geben. Sie helfen deiner Kundschaft, mehr aus dem Duft zu holen, ohne etwas zu versprechen, was der Duft nicht leisten kann:
- Parfum auf saubere, leicht gepflegte Haut auftragen, etwa nach dem Duschen.
- An wärmeren Stellen wie Handgelenk, Hals und Ellenbeuge sprühen.
- Aus etwa einer Handbreit Abstand sprühen, damit sich ein feiner Nebel verteilt.
- Den Flakon kühl, dunkel und verschlossen aufbewahren.
- Bei empfindlichen Stoffen und Schmuck zuerst an einer unauffälligen Stelle testen.
Haltbarkeit und Ausstrahlung im Katalog
Im Katalog zeigen wir zu jedem Öl unsere interne Einschätzung von Haltbarkeit und Ausstrahlung auf einer Skala von 1 bis 5, dazu Duftfamilie und Pyramide. Nutze diese Werte als Anhaltspunkt für die Auswahl. Auf der Haut kann es je nach Hauttyp, Menge und Umgebung abweichen, deshalb ersetzen sie den eigenen Test nicht.
Realistische Aussagen für deine Marke
Sobald du auf Flakon, Karton oder im Shop schreibst, ein Duft halte „zwölf Stunden“ oder „den ganzen Tag“, ist das eine Werbeaussage. Nach Art. 20 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 dürfen Aussagen keine Eigenschaften vortäuschen, die das Produkt nicht hat. Die Verordnung (EU) Nr. 655/2013 legt gemeinsame Kriterien fest, unter anderem die Belegbarkeit. Ein Nachweis der beworbenen Wirkung gehört außerdem gegebenenfalls in die Produktinformationsdatei, wie der Beitrag zur Produktinformationsdatei zeigt.
Praktisch heißt das: Teste mit mehreren Personen, halte die Ergebnisse schriftlich fest und formuliere zurückhaltend. „Hält viele Stunden auf der Haut“ ist leichter zu belegen als eine genaue Stundenzahl für alle.
Kurz zusammengefasst
- Haltbarkeit ist die Dauer auf der Haut, Sillage die Reichweite in der Umgebung. Beides ist nicht dasselbe.
- Konzentration, Basisnoten und Reifung beeinflussen beides, aber nicht linear.
- Haut, Temperatur, Stelle und Menge verändern das Ergebnis von Mensch zu Mensch.
- Teste unter gleichen Bedingungen, mit Zeitmarken und einer zweiten Person.
- Werbeaussagen zur Haltbarkeit brauchen einen Beleg.
Als nächsten Schritt bestellst du Muster der Düfte, die du in die engere Auswahl nimmst, und testest sie nach dem Schema oben. Die Muster findest du unter Muster bestellen.