Parfumöl und Alkohol mischen: Mischverhältnis für EdP und EdT
Wie viel Parfumöl auf wie viel Alkohol? Konzentrationen von Eau de Cologne bis Parfum, Rechnen nach Gewicht, zwei Rechenbeispiele und typische Fehler.
Für: Einsteiger, Marke und Hersteller
Inhalt (11)
- Was das Mischverhältnis bedeutet
- Die üblichen Konzentrationen
- Welche Konzentration passt zu deinem Duft?
- Nach Gewicht mischen, nicht nach Volumen
- Rechenbeispiel 1: 1.000 g Eau de Parfum mit 18 % Ölanteil
- Rechenbeispiel 2: Wie viel Öl brauchst du für 50 Flakons?
- Ethanol, Wasser und Vergällung
- Reihenfolge beim Mischen
- Häufige Fehler beim Mischen
- Selbst mischen oder fertig mischen lassen?
- Kurz zusammengefasst
Das Mischverhältnis von Parfumöl und Alkohol bestimmt, wie stark ein Parfum duftet, wie lange es auf der Haut bleibt und was eine Charge im Einkauf kostet. Entscheidend ist der Ölanteil im fertigen Parfum, angegeben in Prozent. Dieser Beitrag zeigt dir die üblichen Konzentrationen, rechnet zwei Beispiele vor und nennt die Fehler, die beim Mischen immer wieder passieren.
Was das Mischverhältnis bedeutet
Ein Parfum besteht aus Parfumöl, einem Trägerstoff und manchmal etwas Wasser. Das Parfumöl ist das Duftkonzentrat. Als Träger dient Ethanol, der den Duft löst, auf der Haut verteilt und dann verdunstet. Das Mischverhältnis sagt, wie viel Öl auf wie viel Träger kommt. Hat ein Parfum 15 % Ölanteil, stecken in 100 g Fertigware 15 g Öl, die übrigen 85 g sind Alkohol und gegebenenfalls Wasser.
Mehr Öl macht den Duft nicht beliebig besser. Jedes Öl hat eine Grenze, bis zu der es sich klar im Alkohol löst. Dazu kommt eine zweite Grenze aus der Sicherheit: Das IFRA-Zertifikat des Öls nennt für die Produktkategorie 4 (Parfum) den Anteil, den das Öl im Fertigprodukt höchstens haben darf. Diesen Wert prüfst du, bevor du eine Konzentration festlegst. Wie du das Zertifikat liest, erklärt der Beitrag zu den IFRA-Standards.
Die üblichen Konzentrationen
Die Namen Eau de Cologne, Eau de Toilette, Eau de Parfum und Parfum (Extrait) beschreiben Stufen des Ölanteils. Als Richtwerte gelten:
| Bezeichnung | Ölanteil (Richtwert) | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Eau de Cologne | 3 bis 5 % | leicht und frisch, kurze Dauer auf der Haut, für warme Tage |
| Eau de Toilette | 5 bis 15 %, häufig 8 bis 12 % | alltagstauglich, nicht aufdringlich |
| Eau de Parfum | 15 bis 20 % | kräftiger, für den Abend und besondere Anlässe |
| Parfum (Extrait) | 20 bis 30 % und mehr | sehr intensiv, wird sparsam aufgetragen |
Die Namen sind Branchenüblichkeit, und jedes Haus legt die Grenzen ein wenig anders. Verlass dich deshalb auf die Prozentzahl und nicht auf den Namen. Außerdem zählt, was dein Duft verträgt: Ein Öl, das bei 10 % klar und rund wirkt, kann bei 20 % schwer und schwül riechen.
Welche Konzentration passt zu deinem Duft?
Die Entscheidung folgt keiner Formel, aber vier Fragen helfen:
- Wofür ist der Duft gedacht? Ein Körperwasser für den Sommer verträgt weniger Öl als ein Abendparfum.
- Wie ist der Aufbau? Frische, flüchtige Zitrus- und Kräuternoten wirken bei niedrigem Ölanteil klarer. Harzige, holzige oder süße Düfte tragen auch höhere Anteile.
- Was darf eine Charge kosten? Das Öl ist meist ein großer Kostenfaktor der Rezeptur, jedes Prozent mehr schlägt sich im Preis nieder.
- Wie viel Sicherheitsreserve hat das Öl? Liegt dein Wunschwert nahe am Maximum im IFRA-Zertifikat, bleibt kein Spielraum für spätere Änderungen.
Teste mindestens zwei Konzentrationen desselben Duftes nebeneinander, etwa 12 % und 18 %. Auf dem Riechstreifen zeigt sich schnell, ob die höhere Stufe wirklich mehr Qualität bringt oder nur lauter ist.
Nach Gewicht mischen, nicht nach Volumen
Wer professionell mischt, wiegt. Öl und Ethanol haben unterschiedliche Dichten, und Flüssigkeiten addieren sich beim Mischen nicht exakt zum erwarteten Volumen. Eine Waage mit 0,01 g Genauigkeit liefert deshalb sauberere Ergebnisse als ein Messbecher. Drei Werte helfen beim Rechnen:
- Ethanol mit 96 % Alkoholgehalt hat eine Dichte von rund 0,81 g/ml, ein Liter wiegt also etwa 810 g.
- Parfumöle liegen meist nahe bei 1 g/ml. Den genauen Wert nennt das Sicherheitsdatenblatt im Abschnitt zu den physikalischen Eigenschaften. Wie du es liest, erklärt der Beitrag Sicherheitsdatenblatt von Parfumöl lesen.
- Ein fertiges Eau de Parfum wiegt je nach Ölanteil etwa 0,83 bis 0,85 g pro ml. Miss den Wert an deiner Charge nach, bevor du Füllmengen aus Gewichten ableitest.
Schreib Rezepturen immer in Gewichtsprozent und vermerke es ausdrücklich, falls du ausnahmsweise Volumenprozent meinst. Sonst verwechseln du oder deine Kollegen später die Zahlen.
Rechenbeispiel 1: 1.000 g Eau de Parfum mit 18 % Ölanteil
- Gefäß auf die Waage stellen und tarieren, also auf null setzen.
- Ölmenge berechnen: 1.000 g × 18 % = 180 g Parfumöl.
- 180 g Parfumöl einwiegen.
- Ethanol zugeben, bis die Waage 1.000 g zeigt. Das sind 820 g Ethanol.
- Gründlich rühren, dicht verschließen und beschriften: Datum, Rezeptur, Einwaagen, Chargennummer.
Soll ein Teil des Ethanols durch Wasser ersetzt werden, rechnest du genauso: Wasseranteil in Gramm festlegen und die Ethanolmenge entsprechend verringern. Mehr dazu im Abschnitt zu Wasser weiter unten.
Rechenbeispiel 2: Wie viel Öl brauchst du für 50 Flakons?
Du willst 50 Flakons mit je 50 ml Eau de Parfum füllen, bei 15 % Ölanteil. Das sind 2.500 ml Parfum. Bei 0,84 g/ml wiegt die Charge 2.100 g (2.500 × 0,84). Davon sind 15 % Öl: 315 g. Der Rest, 1.785 g, ist Ethanol. Plane einen Zuschlag für Verluste in Behälter, Filter und Abfüllung ein; wie groß er ausfällt, findest du bei der ersten Charge heraus.
Wie viel Fertigware aus einem Gebinde entsteht, zeigt die Tabelle. Die Rechnung geht von 100 g Öl aus:
| Ölanteil | Fertigware aus 100 g Öl | Rechnung |
|---|---|---|
| 5 % | 2.000 g | 100 g ÷ 0,05 |
| 10 % | 1.000 g | 100 g ÷ 0,10 |
| 15 % | rund 667 g | 100 g ÷ 0,15 |
| 18 % | rund 556 g | 100 g ÷ 0,18 |
| 20 % | 500 g | 100 g ÷ 0,20 |
| 25 % | 400 g | 100 g ÷ 0,25 |
Ethanol, Wasser und Vergällung
Als Träger dient häufig Ethanol mit 96 % Alkoholgehalt. Ethanol für kosmetische Mittel ist in der Regel steuerrechtlich vergällt, also mit einem Zusatz ungenießbar gemacht; in der Zutatenliste erscheint er als Alcohol Denat. Frag deinen Lieferanten, mit welchem Mittel vergällt wurde, und prüfe an einem Muster, ob der Alkohol geruchlich neutral bleibt.
Wasser senkt die Kosten und macht das Parfum leichter, ist aber heikel. Parfumöle lösen sich schlecht in Wasser, und schon kleine Mengen können eine Trübung auslösen. Wenn du Wasser einsetzt, dann in einer kleinen Testcharge, in kleinen Schritten und mit anschließender Kälteprobe. Wie die Kälteprobe abläuft, steht im Beitrag Reifezeit, Kältestabilisierung und Filtration.
Der Alkoholanteil hat auch eine rechtliche Seite. Bei einem Alkoholgehalt über 20 % gelten kosmetische Mittel nach den Leitlinien der EU-Kommission als mikrobiologisch risikoarm, sofern der Sicherheitsbewerter das schriftlich begründet. Für die CPNP-Meldung gibt es eine Rahmenrezeptur für Parfum, die höchstens 40 Gewichtsprozent Parfumanteil und höchstens 98 Gewichtsprozent Ethanol vorsieht. Wie die Meldung abläuft, erklärt der Beitrag CPNP-Meldung für Parfum.
Reihenfolge beim Mischen
- Gefäße, Trichter und Rührstäbe sauber und trocken bereitstellen. Glas und Edelstahl sind geeignet.
- Parfumöl einwiegen.
- Ethanol in zwei oder drei Portionen zugeben und nach jeder Portion langsam rühren. Schütteln arbeitet unnötig Luft ein.
- Falls die Rezeptur Wasser vorsieht: Wasser zuletzt und langsam zugeben.
- Dicht verschließen und beschriften.
- Die Charge reifen lassen, bevor du filtrierst und abfüllst.
Lege die Einwaagen jeder Charge schriftlich ab. Du brauchst sie später für die Chargennummer, für die Dokumentation und für jede Rückfrage zu einer Lieferung.
Häufige Fehler beim Mischen
- Volumen statt Gewicht: Wer 15 ml Öl und 85 ml Ethanol mischt, kommt bei einer Öldichte von 0,95 g/ml auf rund 17 % Öl nach Gewicht und nicht auf 15 %.
- Grenzwert nicht geprüft: Die gewählte Konzentration liegt über dem Anteil, den das IFRA-Zertifikat erlaubt.
- Zu früh abgefüllt: Frisch gemischt riecht Parfum scharf nach Alkohol und kann nach einigen Tagen trüb werden.
- Wasser auf einmal zugegeben: Das Öl kann ausfallen, die Mischung wird milchig.
- Keine Notizen: Ohne Einwaagen lässt sich eine gute Charge nicht wiederholen.
- Rezeptur nachträglich geändert: Wer Ölanteil oder Alkohol ändert, muss prüfen, ob Sicherheitsbewertung und CPNP-Meldung angepasst werden müssen.
Selbst mischen oder fertig mischen lassen?
Selbst zu mischen lohnt sich, wenn du Rezepturen entwickelst, kleine Chargen brauchst und jede Stellschraube selbst bedienen willst. Bei regelmäßigen Mengen sparen fertig gemischte Parfums Zeit und Fehlerquellen. Bulk-Parfum gibt es in 500 ml und 1 l, fertig aus Öl und Ethanol gemischt und aus eigener Produktion, abfüllbereit für deine eigenen Flakons. Wer aus Öl mischt, bekommt Parfumöl ab 100 g und Muster mit 5 g zum Testen.
Kläre vor größeren Mengen außerdem, woher du den Alkohol beziehst und welche steuerlichen Pflichten dabei entstehen. Das gehört zur Planung wie Flakon und Etikett.
Kurz zusammengefasst
- Der Ölanteil in Prozent legt Duftstärke und Charakter fest; Eau de Cologne bis Parfum sind nur Richtwerte dafür.
- Rechne nach Gewicht: erst die Ölmenge bestimmen, dann mit Ethanol auf das Zielgewicht auffüllen.
- Prüfe vor der Festlegung den maximalen Anteil im IFRA-Zertifikat des Öls (Kategorie 4).
- Dosiere Wasser vorsichtig und mache vor dem Abfüllen eine Kälteprobe.
- Notiere jede Einwaage; eine geänderte Rezeptur kann Sicherheitsbewertung und Meldung berühren.
Als nächsten Schritt bestellst du Muster (5 g je Duft) und prüfst, welche Konzentration zu deinem Duft passt. Wer nicht selbst mischen will, findet fertig gemischte Bulk-Parfums.