Parfum Onlineshop: Rechtspflichten vor dem Start
Impressum, Preisangaben, Widerruf mit neuer Widerrufsfunktion und der Unterschied zwischen Verbrauchern und Unternehmern: die Pflichten für deinen Parfum-Shop.
Für: Händler, Einsteiger
Inhalt (12)
- Zuerst klären: Verbraucher oder Unternehmer?
- Impressum nach § 5 DDG
- Preisangaben
- Informationen und Bestellbutton
- Widerruf bei Verbrauchern
- AGB, Datenschutz und Streitbeilegung
- Parfum ist ein kosmetisches Mittel
- Versand und Verpackung
- Mängelrechte, Gewährleistung und Abmahnrisiko
- Checkliste vor dem Start
- Kurz zusammengefasst
- Dein nächster Schritt
Wer einen Parfum-Onlineshop startet, muss vor dem ersten Verkauf mehrere rechtliche Grundlagen schaffen, von Impressum und Preisangaben bis Widerruf und Verpackungsregister. Entscheidend ist zuerst, an wen du verkaufst: an Verbraucher oder nur an Unternehmen. Dieser Beitrag ordnet die Pflichten für den Verkauf an Verbraucher ein, zeigt, was in einem Shop nur für Unternehmen anders ist, und endet mit einer Checkliste.
Zuerst klären: Verbraucher oder Unternehmer?
Verbraucher ist nach § 13 BGB jede natürliche Person, die ein Geschäft zu einem Zweck abschließt, der weder ihrer gewerblichen noch ihrer selbstständigen beruflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann. Von dieser Einordnung hängen fast alle Pflichten ab:
| Thema | Verkauf an Verbraucher | Verkauf nur an Unternehmer |
|---|---|---|
| Preisangaben | Gesamtpreis inklusive Umsatzsteuer nach PAngV | Nettopreise sind möglich, die PAngV gilt nicht |
| Widerruf | 14 Tage Widerrufsrecht, Belehrung und Widerrufsfunktion | Kein gesetzliches Widerrufsrecht |
| Bestellvorgang | Button mit Zahlungspflicht und Informationen vor Vertragsschluss | Weniger Vorgaben, aber klare Bestellbestätigung |
| Kundenprüfung | Nicht nötig | Du musst sicherstellen, dass nur Unternehmer bestellen |
Parfumfabrik verkauft nur an Unternehmen: Bei der Bestellung gibst du deine Firma an und bestätigst, dass du als Unternehmer bestellst. Ein gesetzliches Widerrufsrecht wie für Verbraucher gibt es dort deshalb nicht. Willst du es genauso halten, brauchst du eine Abfrage der Firma und eine Bestätigung der Unternehmereigenschaft. Gelingt das nicht, gelten für Verbraucher, die trotzdem bestellen, die Verbraucherregeln. Willst du beide Gruppen bedienen, frage vor der Bestellung ab, wer kauft. Danach richten sich Preisanzeige, Widerrufsbelehrung und Bestellablauf, und im Zweifel behandelst du den Kunden als Verbraucher.
Impressum nach § 5 DDG
Jeder geschäftsmäßige Online-Auftritt braucht ein Impressum, das leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar ist. Ein Link im Fuß jeder Seite erfüllt das. Es enthält:
- Name und Anschrift, bei Gesellschaften auch Rechtsform und Vertretungsberechtigte
- eine E-Mail-Adresse und weitere Angaben, die eine schnelle Kontaktaufnahme ermöglichen
- das Register, in das du eingetragen bist, und die Registernummer
- die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, sofern vorhanden
Preisangaben
Im Verbraucher-Shop nennst du den Gesamtpreis inklusive Umsatzsteuer, weist darauf hin, dass die Umsatzsteuer enthalten ist, und nennst die Versandkosten oder den Hinweis, dass sie anfallen. Dazu kommen je nach Produkt der Grundpreis und bei Preissenkungen der niedrigste Preis der letzten 30 Tage. Die Einzelheiten stehen im Beitrag zur Preisgestaltung.
Informationen und Bestellbutton
Bevor ein Verbraucher bestellt, muss er die wesentlichen Informationen sehen. Der Bestellvorgang selbst folgt festen Vorgaben:
- Vor der Bestellung: wesentliche Eigenschaften der Ware, deine Identität und Anschrift, Gesamtpreis samt Versandkosten, Zahlungs- und Lieferbedingungen, Lieferfrist und der Hinweis auf das Widerrufsrecht (Art. 246a EGBGB).
- Der Button, mit dem die Bestellung abgeschlossen wird, trägt eine eindeutige Beschriftung wie zahlungspflichtig bestellen (§ 312j Abs. 3 BGB).
- Lieferbeschränkungen und akzeptierte Zahlungsmittel nennst du spätestens zu Beginn des Bestellvorgangs (§ 312j Abs. 1 BGB).
- Nach der Bestellung bestätigst du den Eingang unverzüglich auf elektronischem Weg (§ 312i BGB).
Widerruf bei Verbrauchern
Verbraucher können Verträge im Fernabsatz innerhalb von 14 Tagen widerrufen (§ 312g und § 355 BGB). Bei Waren beginnt die Frist grundsätzlich, wenn die Ware beim Kunden ankommt. Du musst über das Widerrufsrecht belehren. Fehlt die Belehrung, kann sich die Frist auf bis zu zwölf Monate und 14 Tage verlängern.
Die Widerrufsfunktion seit 19. Juni 2026
Seit dem 19. Juni 2026 gilt zusätzlich § 356a BGB. Wer Verträge mit Verbrauchern über eine Online-Oberfläche schließt, muss eine elektronische Widerrufsfunktion anbieten:
- eine gut lesbare Schaltfläche mit der Beschriftung Vertrag widerrufen oder einer gleichbedeutenden Formulierung, die während der gesamten Widerrufsfrist ständig verfügbar, gut sichtbar und leicht erreichbar ist
- eine Eingabe, in der der Verbraucher Name, Angaben zur Identifizierung des Vertrags und seine E-Mail-Adresse für die Bestätigung angibt
- eine zweite Schaltfläche mit der Beschriftung Widerruf bestätigen oder gleichbedeutend
- eine Eingangsbestätigung auf einem dauerhaften Datenträger, die den Inhalt des Widerrufs sowie Datum und Uhrzeit des Eingangs enthält
Ein Kleinunternehmen ist davon nicht ausgenommen. Die technische Umsetzung steckt oft schon in den Shop-Systemen, prüfe sie vor dem Start.
Gibt es eine Ausnahme für Parfum?
Das Gesetz kennt Ausnahmen vom Widerrufsrecht (§ 312g Abs. 2 BGB). Zwei können bei Parfum eine Rolle spielen. Waren, die nach Kundenwünschen angefertigt oder eindeutig auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten sind, etwa ein Flakon mit dem Namen des Käufers, fallen unter Nr. 1. Versiegelte Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet sind, wenn die Versiegelung nach der Lieferung entfernt wurde, fallen unter Nr. 3. Ob normales Parfum darunter fällt, ist nicht selbstverständlich. Verlass dich nicht darauf, ohne die Ausnahme rechtlich prüfen zu lassen.
AGB, Datenschutz und Streitbeilegung
- AGB: Sie gelten nur, wenn Kundinnen und Kunden sie vor dem Vertragsschluss zur Kenntnis nehmen und speichern können.
- Datenschutzerklärung: Sie muss beschreiben, welche personenbezogenen Daten du aus Bestellung, Konto und Tracking verarbeitest.
- Cookies: Nicht notwendige Cookies und Tracker setzt du erst nach Einwilligung (§ 25 TDDDG).
- Streitbeilegung: Du informierst nach § 36 VSBG, ob du an einem Verfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilnimmst. Die frühere EU-Plattform zur Online-Streitbeilegung wurde im Juli 2025 eingestellt, ein Link darauf ist nicht mehr nötig.
Parfum ist ein kosmetisches Mittel
Neben dem Händlerrecht gilt für das Produkt die Kosmetikverordnung. Die Pflichtangaben stehen auf Flakon und Verpackung, wie der Beitrag zu den Pflichtangaben auf dem Etikett erklärt. Auch deine Shop-Texte sind betroffen: Nach Art. 20 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 dürfen bei der Bereitstellung und Werbung keine Aussagen verwendet werden, die Merkmale oder Funktionen vortäuschen, die das Produkt nicht hat. Beschreibe Duftnoten und Eigenschaften also sachlich und belegbar.
Versand und Verpackung
Parfum mit Alkohol ist beim Versand ein Sonderfall. Kläre Versandpartner, Verpackung und Kennzeichnung, bevor du die ersten Bestellungen annimmst. Der Beitrag zum Parfum-Versand zeigt, was zu beachten ist. Für die Versandkartons brauchst du außerdem die Registrierung im Verpackungsregister und die Beteiligung an einem System, dazu mehr im Beitrag zum Verpackungsgesetz.
Mängelrechte, Gewährleistung und Abmahnrisiko
Verbrauchern stehen bei neuer Ware zwei Jahre Gewährleistung zu (§ 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB). Dazu zählen Mängel am Flakon, an der Pumpe oder am Produkt selbst sowie Schäden, die schon bei der Lieferung vorhanden waren. Plane den Umgang mit Reklamationen vorab: eine feste Adresse für Meldungen, Fotos als Nachweis und einen klaren Ablauf für Ersatz oder Erstattung.
Viele der genannten Pflichten sind Marktverhaltensregeln. Verstöße, etwa ein fehlendes Impressum, ein falscher Preis oder eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung, können Mitbewerber und Verbände nach dem Wettbewerbsrecht abmahnen. Das kostet Geld und zwingt dich, den Shop sofort anzupassen. Ein sorgfältiger Start erspart dir diesen Ärger.
Checkliste vor dem Start
- Zielgruppe festgelegt: Verbraucher, Unternehmer oder beide
- Impressum, Datenschutzerklärung und AGB veröffentlicht und im Shop verlinkt
- Preise als Gesamtpreis ausgezeichnet, Versandkosten und Grundpreis geprüft
- Bestellbutton und Bestellbestätigung eingerichtet
- Widerrufsbelehrung, Widerrufsfunktion und Rückgabeprozess getestet
- Cookie-Einwilligung funktioniert, Tracking startet erst nach Zustimmung
- Markenname geprüft und gesichert
- Verantwortliche Person, Sicherheitsbewertung und CPNP-Meldung für jedes Parfum erledigt
- Registrierung im Verpackungsregister und Systembeteiligung abgeschlossen
- Versandweg für Parfum mit Alkohol geklärt
Kurz zusammengefasst
- Von der Frage Verbraucher oder Unternehmer hängen Preisangaben, Widerruf und Bestellvorgang ab.
- Das Impressum nach § 5 DDG gehört leicht erreichbar auf jede Seite.
- Verbraucher haben 14 Tage Widerrufsrecht. Seit 19. Juni 2026 brauchst du dafür eine Widerrufsfunktion nach § 356a BGB.
- Parfum bleibt ein kosmetisches Mittel mit eigenen Pflichten für Produkt und Aussagen.
- Prüfe vor dem Start Versand, Verpackungsregister und Markenname, nicht erst danach.
Dein nächster Schritt
Für das Produkt selbst brauchst du die Unterlagen zum Duft. Zu jedem Öl bekommst du Sicherheitsdatenblatt, IFRA-Bescheinigung und Allergenliste, du findest sie unter Dokumente. Alles, was du als Marke sonst brauchst, steht auf der Seite Recht und Zulassung.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: 14. Oktober 2026.