IFRA-Standards erklärt: Kategorien, Zertifikat und Grenzwerte
Was die IFRA-Standards sind, was ein Konformitätszertifikat aussagt und wie du Kategorien und Höchstmengen für Parfum, Seife und Kerze liest.
Für: Marke und Hersteller
Inhalt (10)
- Was die IFRA ist, und was nicht
- Drei Arten von Standards
- Die Kategorien: Wo gehört dein Produkt hin?
- Das Konformitätszertifikat: Was drinsteht
- So liest du das Zertifikat: ein Rechenbeispiel
- Amendments: Welche Fassung gilt?
- Wie die IFRA in Sicherheitsbewertung und Produktakte einfließt
- Checkliste für deine Marke
- IFRA-Unterlagen bei Parfumfabrik
- Kurz zusammengefasst
Die IFRA-Standards legen fest, welche Duftstoffe in welchen Mengen in Parfum, Seife oder Kerze stecken dürfen. Ein Gesetz sind sie nicht, im Alltag aber trotzdem bindend, weil Lieferverträge, Händler und Sicherheitsbewertung sich auf sie stützen. Hier liest du, wie die Standards aufgebaut sind, was ein Konformitätszertifikat wirklich bestätigt und welche Zahl du für dein Produkt brauchst.
Was die IFRA ist, und was nicht
Die International Fragrance Association (IFRA) ist der Branchenverband der Duftstoffindustrie. Die Standards sind Teil des IFRA-Verhaltenskodex, eines Selbstregulierungssystems der Branche. Grundlage sind Sicherheitsbewertungen des Forschungsinstituts RIFM, die ein unabhängiges Expertengremium (Expert Panel for Fragrance Safety) prüft. Verbindlich werden die Standards für IFRA-Mitglieder und über Lieferverträge.
Ein Gesetz sind sie nicht, die Kosmetikverordnung nennt die IFRA nicht. Rechtlich zählen für Kosmetik die Anhänge II und III der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 und die Sicherheitsbewertung deines Produkts. Die IFRA-Daten dienen dabei als Beweismittel. Die IFRA selbst weist darauf hin, dass die Einhaltung der Standards allein nicht reichen muss, um alle gesetzlichen Pflichten zu erfüllen.
Wichtig für die Wortwahl: Die IFRA vergibt keine Zertifikate an Unternehmen. Ein Öl ist deshalb „IFRA-konform“, nicht „IFRA-zertifiziert“.
Drei Arten von Standards
- Verbot: Der Stoff darf als Duftstoff in keinem Produkt verwendet werden, auch nicht in Kerzen oder Raumduft.
- Beschränkung: Der Stoff ist erlaubt, aber nur bis zu einer Höchstmenge im Fertigprodukt, je nach Kategorie. Gründe sind Hautsensibilisierung, systemische Giftigkeit oder Phototoxizität, etwa bei kaltgepressten Zitrusölen wie Bergamotte, Zitrone oder Grapefruit.
- Spezifikation: Der Stoff ist erlaubt, wenn er bestimmte Reinheitsanforderungen oder Herstellverfahren erfüllt.
Höchstmengen gelten für das Fertigprodukt, nicht für das Öl. Das Zertifikat deines Lieferanten rechnet sie in einen maximalen Ölanteil im Produkt um. Dafür kennt dein Lieferant die regulierten Stoffe im Öl, du musst nur die Kategorie deines Produkts kennen.
Die Kategorien: Wo gehört dein Produkt hin?
Die Standards unterscheiden zwölf Kategorien, teils mit Unterkategorien. Entscheidend ist, wie viel Haut- und Handkontakt ein Produkt hat. Einige Beispiele laut IFRA-Leitfaden zum 51. Amendment:
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Kategorie 4 | Feinparfüm aller Art: Eau de Toilette, Eau de Parfum, Parfum, Cologne, festes Parfum, Duftcreme, außerdem Aftershave (außer Cremes und Balsame) |
| Kategorie 2 | Produkte für die Achseln, auch Body Sprays und Body Mists |
| Kategorie 5A | Körperlotion |
| Kategorie 7B | Leave-on-Haarprodukte wie Haarparfum (7A: abzuspülende Haarprodukte) |
| Kategorie 9 | Seife, Flüssigseife, Shampoo, Duschprodukte |
| Kategorie 10A | Raumduftöl für Diffusoren mit Stäbchen, Lampenöl |
| Kategorie 10B | Manuelle Raumsprays, als Pumpe oder Aerosol |
| Kategorie 11B | Kissenspray |
| Kategorie 12 | Kerzen aller Art, elektrische und automatische Lufterfrischer, Räucherwerk |
Zwei Fallen kommen häufig vor. Erstens der Body Mist: Er gilt standardmäßig als Kategorie 2, weil die Anwendung über den Körper hinausgehen kann. Nur wenn das Produkt eindeutig mit dem Hinweis „nicht unter den Achseln anwenden“ gekennzeichnet ist, kann Kategorie 4 gelten, und das solltest du mit deinem Lieferanten abstimmen. Die Grenzwerte der Kategorie 2 sind deutlich enger. Zweitens Produkte mit doppeltem Zweck, etwa Parfum und Haarnebel: Hier gilt die jeweils strengere Kategorie.
Bei Kategorie 12, zum Beispiel Kerzen, entfallen die Beschränkungen wegen Hautsensibilisierung weitgehend, weil kaum Hautkontakt besteht. Die Verbote gelten trotzdem, und eine Kerze braucht eine eigene Sicherheitsprüfung, etwa zu Brandverhalten und Rußen.
Das Konformitätszertifikat: Was drinsteht
Das Zertifikat stellt der Hersteller des Duftgemischs aus, nicht die IFRA. Es beruht auf dem Vertrauensverhältnis zwischen Lieferant und Kunde. Nach dem Leitfaden bestätigt es, dass ein bestimmtes Duftgemisch bis zu einer bestimmten Konzentration in einem bestimmten Produkt mit einem bestimmten Amendment übereinstimmt. Typische Angaben:
- Name oder Kennung des Duftgemischs
- Nummer und Notifikationsdatum des Amendments, auf das sich das Zertifikat bezieht
- Höchstmenge des Duftgemischs im Fertigprodukt je IFRA-Kategorie
- Aussteller und Ausstellungsdatum
Was das Zertifikat nicht ist: Es ersetzt keine Sicherheitsbewertung und entbindet nicht von nationalen Vorschriften. Es sagt nichts darüber, ob dein fertiges Produkt als Ganzes sicher ist.
Zwei Sonderfälle lohnen den Blick. Erstens Naturstoffe: Für einen Rohstoff wie ein Zitrusöl soll der Lieferant laut IFRA-Leitfaden kein Zertifikat ausstellen, sondern die Konformität in anderer Form mitteilen, vor allem welche regulierten Bestandteile im Öl stecken. Die musst du beim Mischen selbst einrechnen. Zweitens das Gesetz: Manche Stoffe sind zusätzlich in Anhang III der Kosmetikverordnung begrenzt. Gesetz und IFRA gelten nebeneinander, halte dich immer an den strengeren Wert.
So liest du das Zertifikat: ein Rechenbeispiel
Angenommen, auf dem Zertifikat deines Öls steht für Kategorie 4 eine Höchstmenge von 12 Prozent. Das ist ein frei gewählter Beispielwert. Dein Eau de Parfum soll 15 Prozent Öl enthalten. Dann liegst du drei Prozentpunkte über der Grenze. Du hast drei Möglichkeiten: den Ölanteil auf höchstens 12 Prozent senken, ein anderes Öl wählen oder die Rezeptur anpassen lassen.
Wie hoch die Grenze liegt, unterscheidet sich von Duft zu Duft stark. Manche Öle sind in Kategorie 4 nicht begrenzt, andere nur bis in den einstelligen Prozentbereich. Schau also immer auf die Zahl zu deinem Öl und deiner Kategorie, bevor du eine Konzentration festlegst.
Mischst du zwei Öle, reichen zwei Zertifikate nicht aus, denn die regulierten Stoffe beider Öle addieren sich. Lass die Mischung berechnen oder bitte deinen Lieferanten um ein Zertifikat für die Mischung.
Amendments: Welche Fassung gilt?
Die IFRA veröffentlicht neue oder geänderte Standards in Paketen, den Amendments. Aktuell gilt das 51. Amendment, notifiziert am 30. Juni 2023. Nach Fachquellen galten die Verbote für neue Kreationen ab 30. August 2023, die Beschränkungen und Spezifikationen ab 30. März 2024. Für bestehende Kreationen waren es der 30. Juli 2024 und der 30. Oktober 2025. Der Unterschied zwischen neuen und bestehenden Kreationen ist wichtig: Ein Duft, der bereits auf dem Markt ist, bekommt mehr Zeit.
Das 52. Amendment steht bevor. Die IFRA hat Ende August 2026 den Abschlussbrief zur Konsultation veröffentlicht: 48 neue Beschränkungsstandards zur Hautsensibilisierung und 15 überarbeitete. Die Notifikation wird für Januar 2027 erwartet.
| Amendment | Neue Kreationen | Bestehende Kreationen |
|---|---|---|
| 51. Amendment (Beschränkungen) | seit 30. März 2024 | seit 30. Oktober 2025 |
| 52. Amendment (angekündigt) | 11 Monate nach Notifikation | 30 Monate nach Notifikation |
Heißt für dich: Prüfe auf jedem Zertifikat die Nummer des Amendments. Rechne damit, dass Lieferanten ihre Zertifikate nach der Notifikation des 52. Amendments neu ausstellen und dass sich Höchstmengen für einzelne Stoffe ändern können.
Wie die IFRA in Sicherheitsbewertung und Produktakte einfließt
Das Zertifikat gehört in die Anlagen der Produktinformationsdatei (PIF) und wird von der Sicherheitsbewertung (CPSR) genutzt. Zusammen mit der Allergenkennzeichnung nach Anhang III und der Sicherheitsbewertung deines Lieferanten belegt es, dass die Sensibilisierung bewertet wurde. Die Kategorie auf dem Zertifikat muss zur Produktart passen. Mehr zu Ablauf und Aufgaben findest du in den Beiträgen zur CPSR für Parfum und zur Produktinformationsdatei.
Checkliste für deine Marke
- Ordne dein Produkt der richtigen IFRA-Kategorie zu und halte die Begründung schriftlich fest.
- Fordere das aktuelle Konformitätszertifikat an und prüfe die Nummer des Amendments, Kategorie und Höchstmenge.
- Vergleiche die Höchstmenge mit dem geplanten Ölanteil.
- Lege das Zertifikat der Sicherheitsbewertung und der Produktakte bei.
- Trage den Zeitpunkt des 52. Amendments in deinen Kalender ein und frag rechtzeitig nach einem neuen Zertifikat.
IFRA-Unterlagen bei Parfumfabrik
Für jedes Öl gibt es eine IFRA-Konformitätsbescheinigung als PDF. Unsere Öle entsprechen dem IFRA-Standard, wir sprechen deshalb von IFRA-konform und nicht von IFRA-zertifiziert. Prüfe in der Bescheinigung die Nummer des Amendments und die Höchstmenge für deine Kategorie. Alle Unterlagen findest du im Dokumentenbereich, die Übersicht der Nachweise unter Zertifizierungen.
Kurz zusammengefasst
- Die IFRA-Standards sind Selbstregulierung der Branche und kein Gesetz, in der Praxis aber über Lieferverträge und Sicherheitsbewertung bindend.
- Es gibt Verbote, Beschränkungen und Spezifikationen. Beschränkungen gelten für das Fertigprodukt je Kategorie.
- Parfum gehört in Kategorie 4, Seife in Kategorie 9, Kerzen in Kategorie 12. Body Mist gilt standardmäßig als Kategorie 2.
- Das Konformitätszertifikat stammt vom Lieferanten, nennt das Amendment und ersetzt keine Sicherheitsbewertung.
- Das 52. Amendment wird für Januar 2027 erwartet, plane die Aktualisierung deiner Zertifikate ein.
Dein nächster Schritt: Fordere die IFRA-Bescheinigung für dein Öl an und gleiche die Höchstmenge mit deinem Ölanteil ab. Wie sich die Allergene im selben Schritt auf dein Etikett auswirken, zeigt der Beitrag Duftallergene 2026.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: 14. Oktober 2026.